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DNN Kultur - Schlechte Zeiten für die Ironie

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Liebe Leserinnen und Leser,
Mit der Ironie ist das eine verzwickte Sache. Sie wird schon zu normalen Zeiten oft genug missverstanden, manchmal gar genüsslich-absichtlich. In Wochen wie diesen steigt diese Gefahr einer Fehldeutung dann umso stärker. Das bekam auch die Bundesregierung zu spüren, in deren Auftrag „Besondere Helden“-Videos entstanden, die vor allem junge Leute dazu animieren sollten, angesichts der Pandemie einfach zu Hause zu bleiben. Mit der ironischen „Die Couch war unsere Front“-Rhetorik konnten viele aber nichts anfangen, es hagelte Kritik. Was zu der Frage führt: Wo ist bei all der Anspannung nur unser Sinn für Humor geblieben?
Wahrscheinlich ähnlich auf der Strecke wie die gesamte Kulturbranche. Sie offeriert normalerweise die Orte des Austauschs, des Miteinanders, des Lachens, die derzeit bitter nötig wären. Darauf aufmerksam machten Dresdner Kulturschaffende in einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Darin warnten sie vor einer gespaltenen Gesellschaft und beschworen die Bedeutung der Kultur.
Dresdens Kulturschaffende warnen vor gespaltener Gesellschaft
Kurz darauf folgten Theaterbetreiber und Künstler aus mehreren sächsischen Städten mit einer ganz ähnlichen Forderung: die Bühnen zu öffnen. Besonders wegen des gesellschaftlichen Beitrages, den sie leisten.
Auch Sachsens Theaterbetreiber haben einen offenen Brief geschrieben
Dass es dabei natürlich auch ums Überleben des Kreativwirtschaftszweiges geht, liegt auf der Hand.
Wie kann die Kulturwirtschaft überleben? Josephine Hage von „Kreatives Sachsen“ im Interview
Dennoch liefert der Kultursektor selbst im Lockdown zumindest ab und an gute Nachrichten. Wie die, dass Marek Janowski seine Amtszeit als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie um ein Jahr bis zum Ende der Konzertsaison 2022/2023 verlängert. Der 81-Jährige (!) plant mit dem Orchester unter anderem eine konzertante Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Wenn das kein Statement à la „Es wird weitergehen“ ist…
Marek Janowski verlängert seinen Vertrag bei der Dresdner Philharmonie
Geduld bleibt jedoch weiterhin gefragt – wie auch Gelassenheit. Vor allem für dieses Jahr scheint das die passende Mixtur. Ironie hat es dagegen gerade, wie schon erwähnt, eher schwer.
Aber auch da kommen wieder bessere Tage. Ganz sicher.
Ihr Torsten Klaus
DNN-Kulturredakteur

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