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DNN Kultur - Europas Mitte oder Wo liegt Vilnius?

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Liebe Leserinnen und Leser,
einige gelernte Dresdner der mindestens zweiten Generation werden die folgende Frage nur kopfschüttelnd lesen: Wo ist die Mitte Europas? Die Antwort liegt für jene Leser klar auf der Hand: irgendwo zwischen Frauenkirche und Theaterplatz. Da waren 1989 ein paar französische Geografen aber anderer Meinung und verorteten das Zentrum unseres Kontinents unweit von Vilnius in Litauen. Luftlinie von hier: schlappe 870 Kilometer.
Dresden aber wird, dieser Vorgriff sei gestattet, ab 1. Juli immerhin temporär so etwas Ähnliches sein wie die Mitte Europas, zumindest aus künstlerischer Sicht. Dann öffnet die Ostrale in der Robotron-Kantine ihre Tore. Dresdens Biennale zeitgenössischer Kunst vereint dabei viele Arbeiten und Künstler aus Ost- und Südosteuropa. Das internationale Kuratorenteam vereint Experten aus Kroatien, Ungarn – und Litauen.
Während also in der Landeshauptstadt, allen Kontroversen zum Trotz, eine Öffnung kultureller Einrichtungen immer mehr in den Bereich des Möglichen rückt, wird weiter östlich ein Gutachten diskutiert, das eher Schließungsgefahr beinhaltet. Es geht um Einsparpotenziale der Bühnen in Bautzen, Zittau und Görlitz. Deutschlands östlichster Stadt droht demzufolge sogar das Aus des Musikensembles. Von Unruhe an der Neiße zu sprechen, wäre eine Untertreibung.
Woanders zieht dagegen eine ganz eigenartige Ruhe ein, die zuerst eine gewisse Langeweile mit sich brachte. Wer genauer hinsieht, erkennt aber einen Pfad hin zu kultureller Verödung. Die Rede ist vom Streaminganbieter Netflix. Er war anfangs einer der großen Profiteure der Corona-Krise. Unterdessen aber steht Netflix vor dem Dilemma, immer stärker massenkompatibel sein zu wollen, zu müssen. Ecken und Kanten bei Filmproduktionen sind da eher störend. Was passt, muss dann auch für einen größtmöglichen Markt passen. Ein Weg, der schnell zur Sackgasse werden könnte.
Nun haben wir die ersten Frühlingstage hinter uns, die diesen Namen auch verdienen. Was im Umkehrschluss heißt: raus! Das löst im Zweifel auch das Problem, was als nächster Film oder Serie bei Netflix geschaut werden soll.
Ganz einfach: nix.
Ihr
Torsten Klaus
DNN-Kulturredakteur
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